Bereits während meines Studiums hatte ich über mehrere Monate ein sehr bereicherndes Klinik-Praktikum in Sri Lanka absolviert. Daher war mein Wunsch groß, auch während meiner Facharztausbildung zum Orthopäden und Unfallchirurgen Erfahrungen im Ausland zu sammeln – sowohl in der Klinik als auch in der Entwicklungshilfe. Durch meine Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Schöffl hatte ich schon vor meinem Aufenthalt sehr viel positives, aber auch befremdliches über die Arbeit in Laos gehört: „Als Chirurg behandelt man dort alles: traumatische Gehirnblutungen, Kieferoperationen, Kinderchirurgie und natürlich die gesamte Unfallchirurgie und Allgemeinchirurgie…“, „Bohren, ja da gibt es noch eine alte Bosch-Bohrmaschine“. Für mich stand fest, da muss ich hin. Vor Ort wurden meine Erwartungen mehr als übertroffen. Vom ersten Tag an wurde ich von den Kollegen vor Ort aufs Wärmste willkommen geheißen und hatte dadurch die Möglichkeit hautnah in das Leben in Laos einzutauchen, neue Freunde zu finden und mein medizinisches Können weiterzuentwickeln. Beeindruckend war vor allem die außergewöhnlich hohe Motivation der lokalen Chirurgen für die Patientenversorgung und das trotz aller Widrigkeiten. Vor und nach der täglichen Arbeit in der Klinik, die finanzielle nicht ausreicht um den Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitet jeder Arzt in seiner eigenen Praxis und behandelt dort weitere Patienten. Ein normaler Arbeitstag kommt da schon mal auf 15 Stunden und das noch ohne Dienste. Ferner war für mich der Mangel an medizinischen Gerätschaften und Implantaten anfangs sehr erschreckend. Schrauben und Platten, welche „secondhand“ Verwendung finden, werden aus Mangel an verschiedenen Größen kurzerhand während der Operation mit dem Seitenschneider bearbeitet. Im OP findet zum Bohren tatsächlich eine alte Bosch-Bohrmaschine fast täglich ihren Einsatz, wenn die geringe Anzahl an alten Druckluft-Bohrmaschinen noch nicht aufbereitet werden konnte. Einen Bildwandler zum Durchführen von Röntgenbildern während einer Operation, gibt es erst seit einem Jahr und das dank der Unterstützung aus Bamberg, wie mir stolz berichtet wurde. Umso bemerkenswerter ist es, wie mit einfachsten Mitteln unter sehr erschwerten Bedingungen dank des großen Erfindungsreichtums der Kollegen vor Ort, die medizinische Versorgung der Patienten sicher gestellt wird. Darüber hinaus zeigt das Werk von Prof. Dr. Schöffl, der ohne bürokratische Zwischenschritte bereits seit 15 Jahren vor Ort in Zusammenarbeit mit den lokalen Ärzten tätig ist, wie viel der Einsatz einzelner hoch motivierter Mediziner bewirken kann. Mehr Informationen hierzu findet ihr hier.